Sein und Werden

Es sind nicht die Menschen, die schlecht wären und einer Veränderung bedürfen,
es sind die Regeln, die unser Miteinander bestimmen.

Wenn ich “Regeln” schreibe, versteht vielleicht der ein oder die andere darunter die Regeln, die am Arbeitsplatz und in der Schule vorgegeben sind; oder die Gesetze, die im Land gelten.

Ich meine aber genauso die Regeln, die jedem zwischenmenschlichen Handeln, jedem Gespräch – fernab von Schule, Arbeit oder einer sonstigen Institution – zugrunde liegen.
All diese Arten von Regeln bedingen einander.

Sehr häufig erlebe ich, dass Regeln weder bewußt gemacht, noch in gegenseitiger Übereinkunft vereinbart werden.
Was mit hoher Wahrscheinlichkeit zum kleinsten Nenner führt:
“Es wird getan, was einer sagt.”.
Wobei “einer” auch heißen kann: eine Regierung, eine Koalition, eine Partei, ein Teil einer Gruppe, ein Teil einer Familie.

Da niemand gerne das Nachsehen hat, wird bei der Regel “Es wird getan, was einer sagt.” ein Großteil der zur Verfügung stehenden Energie vom Großteil der beteiligten Menschen darauf verwendet, dieser eine zu werden bzw. zu diesem einen Teil dazu zu gehören. Oftmals zum Preis der Aufgabe der eigenen Persönlichkeit (Konformitäts- bzw. Gruppenzwang).
Wieviel Energie darüber einem gemeinschaftsfördernden und kreativen Schauen nach Handlungen, die allen zugute kommen, verlorengeht!


Den Formen unter Sein und Werden ist gemein, dass sie Regeln vorgeben, die für alle gleich sind, für alle also gleichermaßen gelten.

Sinn dieser Regeln ist, Verbindung zu sich und den anderen, zu seinen eigenen wie den BedürfnissenBds der übrigen herzustellen, um daraufhin Entscheidungen im KonsensKns zu ermöglichen.

Darüber entsteht eine Leitung der Gruppe durch alle Beteiligten (“group of all leaders”).

Der Unterschied zwischen den einzelnen Formen liegt im Freiheits-Grad der Regeln und der daraus resultierenden Zeit, die bis zu einer Entscheidung aufgewendet wird:
Je beschränkender die Regeln, desto schneller kommt es zu einer Entscheidung.
Auf der anderen Seite: Je freier die Regeln, desto tiefgehender die Verbundenheit – solange Zeit zur Verfügung steht, Irrtümer und Umwege in Kauf zu nehmen.

So gilt es abzuwägen, welche der Formen – oder welche Formen miteinander kombiniert – im konkreten Fall genutzt werden sollen.

Als Orientierung möge dienen:
Menschen, die regelmäßig Zeit investieren, um Verbindung zu sich und miteinander aufzubauen, werden auf Dauer immer weniger Zeit benötigen, um sinnvolle und nachhaltige Entscheidungen zu treffen.